Angst – ein ständiger Begleiter?

Angst

Krankheit beginnt im Kopf

Jede Krankheit stellt nicht nur eine physische Belastung für den Körper dar, sondern auch immer eine geistige oder psychische. Wer einmal im Jahr eine Blasenentzündung hat, der wird dies genauso nachvollziehen können wie jemand, der vielleicht sogar jedes Monat eine Blasenentzündung erleidet. Die Angst wird zu einem unangenehmen Begleiter. Umso chronischer eine Krankheit verläuft, umso größeren Einfluss wird dieser Begleiter also auf dich haben.

Angst kann aber nicht nur ein Begleiter sein, sondern ein ganzes Leben dominieren und sogar bestimmen.

Für mich ist Angst nicht nur ein Gefühl. Sie ist die Wurzel allen Übels. Betrachtet man den Placeboeffekt, bekommt man einen Einblick, wie stark Gefühle und Gedanken unsere Gesundheitssituation beeinflussen können.

Angst ist auf der negativen Seite der Gefühle angesiedelt. Ich würde es als eines der stärksten negativen Gefühle bezeichnen. Genau wie der Placeboeffekt uns gesund machen kann, kann uns Angst krank machen.

Gesund sein bedarf auch psychische Gesundheit

Wer also gesund werden will darf nicht nur die physische Seite einer Krankheit betrachten, sondern sollte immer auch die psychische Seite mit betrachten. Für manche ist dies vielleicht Neuland. Andere denken sich vielleicht was denn ein Harnwegsinfekt mit den eigenen Gedanken oder Gefühlen am Hut hat. Ich möchte aber jeden ermuntern, diesem sehr wichtigen Element der Genesung gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht kannst du diesem Ansatz doch eine Chance geben.

Denn auch banale Krankheiten wie zum Beispiel eine Blasenentzündung, deren Ursache man höchstwahrscheinlich nicht in der Psyche eines Menschen vermutet, kann durch diese ausgelöst werden. Die Rede ist natürlich nicht von jemanden, der sich einmal im Jahr aufgrund unglücklicher Umstände eine Blasenentzündung einfängt. Es geht um Personen, die bereits an Zystitis, also chronischer Blasenentzündung leiden.

Angst erzeugt Stress

Angst erzeugt Stress in unserem Körper und dieses Verhalten ist aus evolutionärer Sicht noch ganz stark in unseren Wurzeln vorhanden. Früher waren unsere Möglichkeiten beschränkt und wir hatten uns meist unmittelbar einer Gefahr zu stellen. Dafür hatten wir zwei Verhaltensmuster programmiert, für welche wir uns in Bruchteilen einer Sekunde entscheiden mussten. Entweder wir flüchteten vor einem Angreifer oder wir stellten uns ihm und schalteten in den Angriffsmodus.

Viele unserer Ängste in hochzivilisierten Gesellschaften sind nicht mehr so unmittelbar und auch in den wenigsten Fällen real. Trotzdem fahren wir auch noch heute bei imaginären Säbelzahntigern unseren Stresslevel gewaltig nach oben.

Auf den Punkt bringt es hier Seneca mit dem Zitat:

„We suffer more often in imagination than in reality.“ 

In unseren Breitengraden haben es also die wenigsten Menschen mit echten „Säbelzahntigern“ zu tun. Somit bleibt uns sehr viel Zeit, die Angst regelrecht zu zelebrieren und jedes Worst-Case Szenario bis ins Detail in unseren Gedanken durchzuspielen.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Und ähnlich einer selbsterfüllenden Prophezeiung rufen wir die negativen Gedanken und Gefühle so stark in unser Bewusstsein, dass unser Körper bereits all das spürt was geschehen kann, obwohl wir es nur in Gedanken erleben.

Unser Körper ist jedoch weit sensibler als wir denken. So ist es nicht nur der Stress der Krankheit verursacht, sondern auch diese Verhaltensweise, die uns alle Worst-Case Szenarien durchspielen lässt. Der Körper reagiert auf diese Gedanken und Gefühle und lässt die zugehörigen Reaktionen folgen.

Wer sich also in seinen Gedanken und Gefühlen schon in einer Krankheit sieht, wird es kurz- oder langfristig auch im realen Leben sein.

Respekt ist nicht Angst

Man darf aber nicht den Fehler machen und Respekt mit Angst gleichsetzen. Wer auf seinen Körper hört, ihm gebührende Aufmerksamkeit schenkt und so nicht arglos jedes Risiko eingeht, der hat nicht unbedingt Angst.

Das was hier vielleicht fälschlicherweise als Angst interpretiert wird, kann auch schlicht und einfach Respekt sein. Respekt, nicht nur vor dem eigenen Körper, sondern auch vor den eigenen Grenzen. Und das höchste Gut das wir Menschen besitzen ist nun mal unsere Gesundheit.

Denn ohne Gesundheit kann alles auch nichts sein.

Wie kann man also mit dieser Angst umgehen?

Diese Frage kann und soll nicht pauschal beantwortet werden. Die Antwort auf diese Frage muss und sollte jeder für sich selbst herausfinden. Du bist allerdings nicht ganz auf dich alleine gestellt. Es gibt sehr wohl Ansätze und Methoden, die dir bei der Suche helfen können. Zu diesen möchte ich nachfolgend kurz ein paar meiner Gedankengänge äußern:

Angst ist ein Produkt unserer Gedanken

Wie bereits beschrieben ist Angst ein Gefühl (zwar ein negatives und noch dazu sehr starkes), jedoch bleibt es immer ein Gefühl. Genau hier möchte ich mit meinem ersten Tipp ansetzen. Gefühle entstehen in uns, das heißt wir erschaffen sie. Wenn wir Gefühle erschaffen, dann haben wir auch die Möglichkeit sie zu beeinflussen, oder sie sogar zu eliminieren.

Hier gibt es zwei Ansätze: Einerseits können wir durch unsere Gedanken bestimmte Gefühle hervorrufen, andererseits können aber auch Gefühle bestimmte Gedanken hervorrufen. Als wäre das noch nicht genug können wir auch mit unserer Mimik und Gestik unsere Gedanken und Gefühle beeinflussen und umgekehrt.

Wir haben also drei Stellschrauben, um unseren Ängste den Garaus zu machen. Um diese Stellschrauben gut bedienen zu können, bedarf es einer ausgeprägten Körperbeherrschung, die man mit bestimmten Techniken ausbauen kann. Bevor ich auf diese Techniken eingehe möchte ich erwähnen, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und dass es wie überall an Übung bedarf.

Machen wir uns aber nichts vor. Das Thema Angst ist ein so großer Begleiter, dass wir keinen Zeitraum angeben können, in dem man die Angst besiegt. Diese Aufgabe ist eine Lebensaufgabe, um die man sich annehmen muss und die man ständig aufs Neue auf seiner Agenda hat.

Atemtechniken

Für mich sind Atemübungen die Vorstufe zur Meditation. Sich alleine zehn Minuten am Tag seiner Atmung zu widmen bringt einen immensen Fortschritt beim Thema Körperbeherrschung. Wer seine Atmung kontrollieren kann, der kann sich selbst kontrollieren.

Nimm dir zehn Minuten am Tag, setz oder leg dich hin und atme ruhig und langsam. Spiel dich ruhig mit Bauch- oder Brustatmung und lass dich einfach überraschen. Im Alltag atmen wir viel zu hastig und flach, was sehr viel Stress in unserem Körper erzeugt.

Mit dieser Übung wirkst du gezielt gegen diesen Stress. Du wirst sehen wie erholt du dich nach zehn Minuten „Atmen“ fühlen kannst. Welchen Einfluss die Atmung auf deinen Organismus hat kannst du ausprobieren indem du einmal gezielt flach und kurz atmest und anschließen tief und lang atmest.

Und, was fühlst du?

In Stresssituationen beruhige dich, indem du einfach ruhig und tief atmest.

Autogenes Training

Autogenes Training hilft nicht nur Ängste zu besiegen. Du erhältst darüber hinaus die Möglichkeit das Unterbewusstsein dahingehend zu beeinflussen, dass du es mit jenen Leitsätzen bestückst, die du gerne in selbigen hättest. Die Grundlage für ein autogenes Training ist allerdings, dass du deine Atmung bereits ein wenig unter Kontrolle hast. So kannst du dich voll auf das Training konzentrieren.

Dein Verstand wird sowieso schon genug Ablenkungen parat haben. Ich möchte an dieser Stelle keine Anleitung wiedergeben. Davon schwirren genug im Netz herum. Such dir eine, die für dich am besten passt.

Meditation

Meditation kennt viele Facetten und besteht aus Konzentrationsübungen, um den Geist zu beruhigen. Für mich trifft es das Wort „beruhigen“ sehr gut, denn es wird nicht gelingen den Geist ruhig zu stellen.

Jeder Part von uns hat seine Aufgabe und die Aufgabe des Geistes oder auch Verstandes ist es zu denken. Wer also versucht den Geist einfach zu stoppen, der wird gegen Windmühlen kämpfen und das Vorhaben wird selten mit Erfolg gekrönt werden. Viel mehr geht es darum bewusst zu beobachten und so Ruhe zu finden.

Yoga

Für mich ist Yoga Meditation in der Bewegung. Alleine seinen Atem über einen längeren Zeitraum bewusst zu fühlen und einzusetzen macht Yoga für mich zur Meditation und Entspannungsübung.

Es geht nicht darum der Beste zu sein und irgendjemanden etwas zu beweisen. Es geht darum deinen Körper und Geist im Einklang zu bewegen. Dieser Einklang hat mehr als nur das Potential zu entschleunigen und die Relation zwischen den wirklich wichtigen und den nichtigen Dingen aufzuzeigen.

Muss Angst also ein ständiger Begleiter sein?

Es gibt natürlich noch viel mehr Wege und Ansätze sich dem Thema Angst zu widmen. Die aufgezeigten zählen zu jenen, die für mich derzeit eine große Rolle spielen und mir somit auch Erfolg versprechen.

Um deinen Weg zu finden ist es wichtig aktiv zu werden und einfach zu probieren.

Zu probieren was für dich funktioniert und was nicht. Ohne zu werten. Ohne von Fehlern zu sprechen.

Probieren, einfach nur um Erfahrungen zu sammeln.

Die Emotion Angst ist bestimmt eine Begleiterin.

Sie muss es aber bestimmt nicht ständig sein.

 

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